Jürg Wüst

Lesung:    Jes 9, 1-6
Evangelium: Lk 2, 1-14    

 

Liebe Gläubige

Von ganzem Herzen wünsche ich Ihnen gesegnete Weihnachten. Wir alle brauchen Weihnachten mehr denn je, auch wenn es nicht wie üblich gefeiert werden kann. Vieles fällt aus. Gott aber ist und bleibt treu. Er sagt Weihnachten nicht ab. Er muss es auch nicht absagen, weil Weihnachten, auch wenn für uns das oft anders scheint, nicht an äusserliche Bräuche gebunden ist. Die Botschaft von Weihnachten ist unabhängig von Zeit und Form. Vielleicht kann uns die Situation in diesem Jahr, wo wir auf vieles verzichten müssen, hellhörig werden lassen auf die weihnachtliche Botschaft. Vielleicht leuchtet uns - formuliert in Anlehnung an unser Leitwort der Advents- und Weihnachtszeit – das Ankunftssignal Gottes heller auf. In der Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Lukas sind es die Menschen im Dunkeln, die Hirten auf dem Feld bei der Nachtwache ihrer Herden, welche das Licht des Himmels aufstrahlen sehen. Es kündet ihnen die Ankunft des Retters an: «Fürchtet euch nicht: denn ich verkünde euch eine grosse Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.» Den Hirten dient «das Kind das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt» als Ankunftszeichen. Für den Evangelisten Lukas ist es sehr wichtig, dass die «Frohe Botschaft» zuerst bei Menschen ankommt, die im Dunkeln sind, bei Menschen, die Veränderungen brauchen, so dass sich ihr Leben verbessern kann. Die Hirten waren in jener Zeit wirtschaftlich schlecht gestellt. Sie bekamen am meisten zu spüren, dass Israel von den Römern abhängig war. Die Sehnsucht nach Heil und Licht war damals aber nicht nur bei den Hirten sehr gross. Viele Menschen fanden in Jesus von Nazareth eine Antwort. Er führte sie auf die Spur des wahren Lebens. Ihm gelang es, den Menschen jene Nähe Gottes spürbar und erfahrbar werden zu lassen, die sie brauchten. Dem Evangelisten Lukas ist es ein Anliegen, dass der Glaube an Jesus Christus ganz konkret Heil und Licht für die Menschen sein kann, mitten in der Zeit, in der sie leben. Sein Evangelium enthält darum immer wieder greifbare Angaben zur politischen Lage: «Kaiser Augustus erliess den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen…damals war Quirinius Statthalter von Syrien.» Mit diesen einfachen Hinweisen beschreibt Lukas die Zeit, in der Jesus zur Welt kam, als eine Zeit der Unterdrückung und Fremdherrschaft. Menschen sehnen sich nach Freiheit. Und das Zeichen, das die Hirten finden, ist wie gesagt das Neugeborene in der Krippe. Konkreter kann das Leben nicht sein. Konkreter können die Ohnmacht und die Hilfsbedürftigkeit des Menschen nicht ausgedrückt werden. Weihnachten sagt uns: So kommt Gott in unserer Zeit an. So ist Gott bei uns Mensch, unabhängig von der Lage, in der die Menschen sind. Maria und Josef haben sich Ort und Zeit der Geburt ihres Sohnes auch nicht ausgelesen. Sie waren unterwegs. Unpassender hätte der Zeitpunkt nicht sein können. Wer wünscht sich schon eine Geburt in einem Stall, ohne Bett und Bleibe für das Kind? Aber gerade da wird Gott Mensch. Nicht dort, wo wir es zuerst vermuten, sondern dort, wo wir am verletzlichsten und hilfsbedürftigsten sind. Nehmen wir die Weihnachtsbotschaft des Evangelisten Lukas ernst, so kommt Gott auch in unserer Zeit an. Wie würden sie unsere Zeit beschreiben, all die Herausforderungen, die unsere heutige Welt kennt? Der Klimawandel, die Gefahr der Pandemien, Ungerechtigkeiten in der Verteilung der Güter usw.? Wo würden Sie Dunkelheiten, Ohnmacht und Hilfsbedürftigkeit im eigenen Leben und im Leben anderer sehen? Wenn wir die Weihnachtsbotschaft des Evangelisten Lukas ernst nehmen, dann gilt es, Gott im konkreten Leben auch bei uns zu suchen, dann kommt er auch in unserer Zeit an. Dann ist Gott bei uns Mensch, wo heute in Intensivstationen um das Leben von lieben Angehörigen gebangt wird. Dann ist Gott dort bei uns Menschen Mensch, wo Pflegepersonal bis zum Letzten seine Kraft einsetzt. Dann ist Gott auch bei uns Mensch, wenn jemand trotz der Einschränkungen Einsamkeit wahrnimmt und tröstend Nähe schenkt. In diesem Sinn heisst Gottes Ankunftszeit für uns alle das «Hier und Jetzt».

Da ist Weihnachten

Wo einer zum andern geht

Einer den anderen versteht

Wo eine die Türe öffnet oder ihre Hand

Wo einer den Frierenden bedeckt mit seinem Gewand

Wo eine in dunkler Nacht

Licht oder ein Feuer macht

Wo einer Frieden schliesst

oder in Reue Tränen vergiesst

Wo eine Trost den Traurigen bringt

und frohes Lachen erklingt

Wo einer Güte und Liebe verschenkt

und dankbar der Nächsten gedenkt.

Da ist Weihnachten, da wird Christus heute geboren. (Quelle unbekannt)

 

Amen