Hans Hüppi

Lesung:                                                 Lebensgeschichte der Hl. Marguerite Bay
Evangelium:                                       Joh 14

Liebe Schwestern + Brüder in Christus!

Es ist heute in unserer Kirche schwieriger geworden, die Wegweisungen Gottes wahr zu machen. Denn ein kirchlicher Machtapparat blockiert viele Not-wendende Weiterentwicklungen der Frohbotschaft Gottes für die heutige Zeit.
Papst Franziskus hat in seinem neusten Schreiben «Geliebtes Amazonien» («postsynodale Exhortation») auch dieses heisse Eisen meditiert.
Seine weitaus umfangreichsten Gedanken widmet er darin:
der sehr eindrücklichen Ermutigung für die arm gemachten und bedrängten indigenen Völker. Und er steht vehement ein, für den lebenswichtigen Schutz des Regenwaldes.
Im ebenso wichtigen Schlusskapitel sinniert der Papst dann über kirchliche Strukturen.
Dabei schiebt er ganz sanft, dem klerikalen Alles-von-oben-herab-zu-bestimmen-wollen, einen Riegel:

  • Einerseits enttäuscht er damit viele Christen, die eine Lockerung des kirchlichen Zölibats-Gesetzes erwarten, weil Franziskus in diesem Schlussdokument zur Amazonas-Bischofskonferenz den Zölibat nicht einmal erwähnt, obwohl die überwiegende Mehrheit der Amazonas-Bischöfe eine Weihe Verheirateter gefordert hat.
  • Anderseits gibt er den Ball für die Ausgestaltung kirchlicher Strukturen damit ganz bewusst in die Hände der Kirchen vor Ort:
    Also – weg vom Zentralismus Roms, der in den letzten 550 Jahren (Tridentinum 1563) alles und jedes in der kath. Kirche von der Zentrale her bestimmen wollte.

Franziskus betont klar: Getaufte Frauen und Männer sollen in den Pfarreien mehr Eigen-Verantwortung übernehmen.
Dabei scheint mir wichtig, bei allen Weiterentwicklungen stets die Wegweisungen Gottes im Herzen zu tragen, wie das Jesus im Evangelium fordert. Das ist wichtiger, als unmündig auf Weisungen eines Papstes zu warten! - Damit ermutigt Franziskus alle Bischöfe, mutig neue Wege zu wagen.
Ja, der Papst spürt: Es gibt noch «andere, vielleicht ungeahnte, bessere Wege» als ein phantasieloser Einheitsbrei, der nur im Vatikan gekocht werden dürfte.
Solange wir in der Liebe, mit Gott verbunden bleiben, machen wir Laien, als Volk Gottes, alles richtig. Dann kann nämlich die «Geistkraft der Wahrheit» zum Zuge kommen.
Der Kirchenvater Augustinus formulierte das schon im 5. Jh. ganz radial, wenn er sagt: «Liebe, und dann tue, was du willst.»
In diesem Sinne hat auch die neue Schweizer-Heilige Marguerite Bays (1815-1879)  es uns in ihrer damals ganz anderen Zeit vorgelebt:

  • sie war kein Machtmensch, sondern liess sich bescheiden ganz von der Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen erfüllen.
  • Sie wirkte als Frau völlig ohne kirchlichen Auftrag, so wie sie es vor Gott richtig fand.
  • Sie frage nicht den Papst um Erlaubnis, als sie erstmals eigenständig Maiandachten zu gestalten begann.
  • Sie arbeitete - ohne Beauftragung des Bischofs - als Diakonin und wurde ohne Ausbildung zur gefragten Ratgeberin.
  • Sie hat das ganz Gewöhnliche schlicht und einfach, aber aussergewöhnlich gelebt

Darum wurde sie zu recht heilig gesprochen – ohne grosse Lobby und ohne viel Geld.
In ihr konnte sich der jesuanische Geist der Wahrheit voll entfalten, weil sie sich ganz an die Wegweisungen Jesu hilft.
Auch heute braucht die Kirche wieder mutige Frauen und Männer, die bereit sind, von unten her, die Kirchen mit neuem Leben zu füllen.
Nur so finden wir heraus, aus den klerikalen Sackgassen – hinein in die ungeahnte Freiheit des Geistes Gottes.
So werden wir zu wirklichen Schwestern + Brüder in Christus!  AMEN